Fundstücke

Hier finden Sie in loser Folge Artikel oder Zitate aus Mails, bei denen wir es schade fänden, wenn sie unbeachtet blieben, wir aber vom Thema oder von den Kapazitäten her keine Möglichkeit sehen, näher darauf einzugehen.
Sie müssen nicht unbedingt vom NEFF unterstützt werden, bieten aber z.B. interessante Argumente oder andere Sichtweisen. Die Herkunft und Verläßlichkeit der Links überprüfen wir nicht. Als ehrenamtlich Tätige können wir diesen journalistischen Service nicht bieten.

Sie als Leser können uns auch Kommentare oder Ergänzungen unter Angabe der Beitragsnummer per Mail schicken. Je nach Arbeitsbelastung und persönlicher Einschätzung fügen wir das als Update ein.

Ziel ist es, die Bandbreite der Diskussion in der Friedensbewegung zu erhöhen.

#1 - 02.05.2022

Hinweis durch Gerd Bauz - Referent bei unserem Studientag am 30.4.22:

Fritz Glasl als Vordenker - Aufsätze und Videos auf youtube

Aufruf an verantwortungsbewusste Menschen in Politik und Zivilgesellschaft
zum Beenden des Ukraine-Kriegs
Als erstes muss verhindert werden, dass der Krieg durch Fehlverhalten weiter eskaliert:
1) In Zeiten erhöhter Spannungen dürfen Formen und Kanäle der direkten Kommunikation niemals verlassen werden. Bei indirekter Kommunikation wird die Eskalation durch viele Fehlerquellen, Verzerrungen, Missverständnisse und Unterstellungen vorangetrieben.
2) Zurzeit befürchten viele Regierungen eine weitere kriegerische Eskalation und reagieren mit Erhöhungen ihrer Verteidigungsetats. Derartige affektgetriebene Rüstungs-Reflexe haben jedoch keinerlei abschreckende oder de-eskalierende Wirkung. In den letzten 150 Jahren hat sich gezeigt, dass ein Wettrüsten – entgegen seinem erklärten Zweck – keine Kriege verhindert, sondern diese paradoxerweise sogar provoziert und intensiviert.
3) Wenn Regierungen keine Eskalation wünschen, sollten sie auf Militarisierungen nicht reflexhaft mit Rüstungserhöhungen reagieren. Vielmehr sind Initiativen zu de-eskalierenden Aktionen notwendig, um aus dem Teufelskreis des Rüstungs-Reflexes auszubrechen. Zu diesem Zweck stellen sie an die gegnerische Konfliktpartei keine neuen Forderungen, sondern beweisen durch ihre de-eskalierenden Vorleistungen unmissverständlich, dass sie die entstandenen Spannungen ernsthaft reduzieren wollen.
4) Regierungen demokratischer Länder sollten journalistische Freiheiten niemals einschränken, da sie andernfalls gegen faktenwidrige Berichterstattungen nicht glaubwürdig Stellung beziehen können.
5) Wenn angesehene Persönlichkeiten Deutschlands und Österreichs wichtige Aufsichtsratsfunktionen in russischen Unternehmen bekleiden, sollten sie ihre Zugänge zu Entscheidern in Russland nicht abbrechen sondern intensivieren und die bestehenden Vertrauensbeziehungen nutzen, um auf deeskalierende Entscheidungen einzuwirken.
6) Menschen aus Russland sollten von kulturellen Events und wissenschaftlichen Kooperationen nicht ausgeschlossen werden. Bei kulturellen Anlässe ist die Freiheit von Kunst, Religion und Wissenschaft unbedingt zu wahren. Damit soll – entgegen der psychologischen Kriegsführung! – deutlich gezeigt werden, dass nicht die Menschen eines Volkes als Feinde betrachtet werden. Solche Veranstaltungen sind bewusst zu nutzen für Diskurse über Grundwerte und Appelle zu gewaltfreien Konfliktlösungen.
Diese Punkte zu beachten begünstigt Initiativen für Waffenstillstand und Friedensverhandlungen
7) Initiativen von Regierungen neutraler und bündnisfreier Staaten wecken Bewusstsein dafür, welche Schäden eine weitere Eskalation für die ganze Menschheit bewirkt; diese zu verhindern ist höchste Verantwortung einer jeden politischen Führung. Neutrale regen Sofortmaßnahmen an zum Beenden kriegerischer Handlungen, mit der Perspektive einer künftigen neuen Sicherheits- und Friedensordnung.
8) Seit 1990 ist es an der Zeit, mit den seinerzeitigen Partnern der KSE-, SALT-, START-Abkommen etc. und mit bedeutenden Staaten wie u.a. China, Indien, Iran, Israel etc. auf Initiative der neutralen und bündnisfreien Staaten eine zeitgemäße globale Sicherheits- und Friedensarchitektur auszuhandeln. Nur gemeinsam mit den vormals verfeindeten Mächten kann eine neue Ordnung geschaffen werden, die
auf Vertrauen und Kooperation baut und dadurch nachhaltige Wirkungen gewährleistet.
9) Produktion und Einsatz von Waffensystemen zerstören immense Ressourcen und wirken sich direkt und indirekt verheerend auf das Klima aus. Sie binden viele Mittel, die zur Rettung unseres Planeten vor der Klima-Katastrophe dringend benötigt werden. Deshalb sind Abbau und Limitierung aller Waffensysteme gleichzeitig Maßnahmen zum Abwenden der Klima-Katastrophe.
Auch wenn solche Versuche nicht sofort erfolgreich waren, sind erneut wieder Initiativen zu wagen!
Prof. Dr. Dr.h.c. Friedrich Glasl e.h., Österreichischer Konflikt-/Friedensforscher und Mediator
Salzburg, 28. März 2022

 

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