Arbeitskreis Schöpfung

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Nächstes Schöpfungsgebet
Sa 24. September 2022
15 Uhr
Im Reichswald am Predigtstein am Kothbrunngraben nordwestlich von Buchenbühl
Pfrin Karola Glenk

 

Rückblick

 

Schöpfungsgebet am 26. März 2022

Ein Kochbuch hat er produziert, mein Sohn. Mit den Rezepten seiner Oma. Auf der letzten Seite ist ein Foto von der Oma. Als 21jährige beim Kochen in der Hauswirtschaftsschule sieht man sie da. Mein Sohn sieht noch was anderes: „ihre Enkelin sieht genauso aus wie die Oma damals“.

Die Enkelin ist jetzt so alt wie die Oma damals war. Wahrscheinlich kennen wir das auch: unsere Abstammung sagt uns, dass es manches von uns früher schon einmal gegeben hat. Die Form unseres Kopfes, die Augenpartie vielleicht und einiges andere. Und wir werden, so wir Kinder und Enkel haben, auch einiges von diesen Merkmalen vererben.

Das Matthäusevangelium beginnt mit der Abstammung von Jesus. Diese reicht aber weiter als bis zu Oma und Opa. Der Urvater ist Abraham. „Dies ist das Buch der Geschichte Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams“ – so lautet Vers 1 des 1. Kapitels. Und es werden alle Vorfahren dann aufgezählt – 42 Generationen.

Mehr als 1 000 Jahre werden durch diese Abstammungsliste überbrückt. Was will man damit sagen? Um die Form der Augenbrauen wird es wohl nicht gehen. Es geht um eine geistige Tradition: mit Abraham, sagt die Bibel, beginnt die Geschichte des wahren Gottvertrauens.      

Zu den Vorfahren von Jesus gehören aber nicht nur die Braven, Anständigen und wahrhaft Frommen. Auch David ist dabei, und es wird extra darauf hingewiesen, dass er Ehebruch begangen hat, als er Salomo zeugte. Und den betrogenen Ehemann anschließend umbringen ließ – das muss man nicht erwähnen, das wussten alle Juden damals, denn das steht in der Bibel, die in solchen Sachen ohne Scheuklappen und ohne glättende Redaktion berichtet.

Was erfahren wir, wenn wir in der Geschichte unseres deutschen Volkes mehr als 1 000 Jahre zurückgehen? Letztes Jahr gab es in Iphofen im Knauf-Museum eine Ausstellung mit dem Titel „Als Franken fränkisch wurde“. Ab dem 6. Jahrhundert hat sich im heutigen Franken der germanische Volksstamm der Franken breit gemacht. Vorher wohnten da andere Germanen, zum Teil auch Slawen. Die wurden nicht vertrieben, mussten sich aber den neuen Herren unterordnen.

Die neuen Siedler brachten das Christentum mit. Das können die Archäologen feststellen. Durch Kreuze, die sich auf verschiedenen Gegenständen der Franken finden, und die ersten Kirchen lassen sich auch nachweisen.

Aber es war kein friedliches Christentum. Es war die Religion der Sieger. Kreuze fanden sich auf den Schwertern der fränkischen Herren, die damit dokumentierten: unser Gott ist der Mächtigere. Und wir setzen unsere Herrschaft jetzt mit Gewalt durch.

Die Geburt Europas aus dem Geist der Gewalt – so lautet der Titel eines Buches über das Mittelalter. Diese Gewaltgeschichte reicht bis zu uns. Während wir uns in Europa Gedanken gemacht haben über eine friedliche Zukunft, sind wir mit dem jetzigen Krieg brutal in eine grausame Realität zurückgeholt worden, und die Sprache der Gewalt dominiert nun wieder.

Ein schwieriges Erbe. Im Fotoalbum meiner Familie sehe ich ein Bild aus dem 2. Weltkrieg. Mein Vater als Soldat auf Heimaturlaub. Er steht neben seinen Eltern. Der Vater von ihm, mein Großvater, mit Hitlerbart, den er nach dem Krieg nicht mehr getragen hat. Mein Opa war kein Nazi, sondern durch und durch Sozialdemokrat und Gewerkschafter. Aber die Sprache der Gewalt, mit der Adolf Hitler das deutsche Volk mobilisierte, die hat ihn offenbar auch beeindruckt. Die Gewalt, sie prägt uns schon über unzählige Generationen. Gibt es da keinen Ausweg?

Jesus war Jude und hat sich mit der Tradition seines Volkes sehr intensiv auseinandergesetzt. Diese Tradition war ihm vorgegeben, mit allem, was darin enthalten war: Nicht nur Geschichten des Gottvertrauens und der Nächstenliebe, sondern auch Ehebruch und Machtkämpfe und Vertreibung anderer Menschen und die grausame Skrupellosigkeit des Herodes, die ihm und seinen Zeitgenossen noch ganz nahe war.

Jesus war aber auch Friedensstifter. In der Bergpredigt hat er ein anderes Christentum verkündet. Eines der Absage an die Gewalt, des Vertrauens auf Gottes Liebe zu den Menschen, der Sanftmütigkeit, der Feindesliebe und der Barmherzigkeit. Die Seligpreisungen und die ganze Bergpredigt hängen mit der jüdischen Tradition vor Jesus eng zusammen. Sie sind entstanden aus der intensiven Auseinandersetzung von ihm und den Evangelisten mit den Lebens- und Glaubenswegen der Vorfahren, wie sie die hebräische Bibel in ihren Geschichten, durch die Propheten und in den Psalmen schildert. Jesus hat das alles konsequent weitergedacht und eine umwälzend neue Friedensbotschaft daraus gemacht.

Auch wir müssen nicht weitermachen mit den Gewaltgeschichten unserer Vorfahren. Wir können mit Krieg und Frieden anders umgehen, wir können mit der Natur einen anderen Umgang pflegen, wir können in der Erziehung unserer Kinder und Enkel einen neuen Stil einführen.

Geht das? „Gegen die Gewalt“ heißt das Buch von Christian Pfeifer, der uns als Kriminologe bekannt ist und in Niedersachsen auch mal Innenminister war. Darin beschreibt er, wie in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg so nach und nach die Gewalt in der Erziehung von Kindern zurückgedrängt wurde. Die meisten von uns sind, zumindest zum Teil, noch in den alten Verhältnissen aufgewachsen, wo es hieß, eine Ohrfeige zur richtigen Zeit hätte noch niemand geschadet. Früher waren Schläge selbstverständlich – und sind es jetzt nicht mehr. Das Schlagen von Kindern kommt noch vor, ja, aber weit weniger.   

Und das hat Auswirkungen. Die Straftaten werden weniger. Auch wenn viele Menschen meinen, kriminelle Handlungen würden zunehmen, sagt uns die Statistik etwas anderes. Mit Gewalt verbundene Straftaten sind deutlich zurückgegangen. Christian Pfeifer weist das aufgrund der Kriminalstatistik nach und sagt: weniger Schläge für Kinder führt zu weniger aggressiven Erwachsenen, und dieser Zusammenhang ist eindeutig.  

Es hat sich also bereits etwas verändert. Wir in unserer Generation sind die Zeugen dieser Veränderung. Die Erziehung ist friedlicher geworden. Und die verschiedenen Formen der Kriminalität sind rückläufig. Dass sie im Fernsehen immer mehr zunehmen, ist eine andere Geschichte. Vielleicht können wir da auch noch friedlicher werden.  

Was hindert uns also, an der Idee eines friedlichen Umgangs von Staaten miteinander festzuhalten – auch wenn das derzeit utopisch erscheint?  Oder warum vertreten wir unsere Ablehnung einer Forstwirtschaft, die mit 40 Tonnen schweren Harvestern gewaltsam Schneisen in den Wald bricht, nicht viel energischer?

Wir sind alle von unseren Müttern und Vätern und Großeltern und Urgroßeltern geprägt. Aus der Geschichte unseres Volkes können wir uns auch nicht einfach verabschieden. Aber wir müssen nicht so weitermachen. Es gibt die Chance der Veränderung. Und wir können andere Inhalte weitergeben, als wir erhalten haben.

 

 

Ich persönlich bin, wenn ich auf mein Leben zurückblicke, dankbar dafür, dass ich in einer weitgehend friedlichen Zeit aufwachsen durfte und mir ein gnädiger Gott nahegebracht wurde, der mir vergibt und der mich liebt. Kein Gott, der Gewalt rechtfertigt. Sondern ein Gott, der Frieden vermittelt: Frieden in der Welt, Frieden mit mir selbst, Frieden mit der Natur. Dieser Gott lebt seit meiner Kindheit in mir, auch wenn ich selbst nicht immer ganz friedlich bin. 

Jesus Christus ermutigt uns, am Gott des Friedens festzuhalten und ihn unseren Kindern und Enkeln weiterzugeben – und er ermutigt uns nicht nur, sondern begegnet uns auch als das Neue, das Friedfertige, als die Barmherzigkeit Gottes und er verkündet uns mit seinem auf den Frieden ausgerichteten Leben und Sterben einen Gott, der die Schwerter der Gewalt in die Pflugscharen verwandelt, mit denen wir dazu beitragen, dass von einer fruchtbaren Erde alle in Frieden leben können.

Hans-Jürgen Krauß

Schöpfungsgebet März 2022

82 mal Schöpfungsgebet

das bedeutet mehr als dreizehn Jahre lang alle zwei Monate eine Andacht im Reichswald bei Buchenbühl. Die geplante Nordanbindung von der A 3 zum Flughafen steht – gottseidank-  nicht mehr auf der politischen Agenda. Die Wald- und Naturzerstörung hier bei uns und anderswo ist deshalb aber noch lange nicht beendet. Das machte Rita Mayer beim 75. Schöpfungsgebet am 28. November in ihrer Ansprache deutlich. Musikalisch begleitet wurde der Gottesdienst von Daniel MacFarlane mit der Gitarre.  

Der Wald und die Natur brauchen weiterhin unser Engagement und unsere Gebete und unser Nachdenken darüber, was „Gottes Schöpfung“ eigentlich bedeutet.

 

Die Schöpfung ist uns anvertraut - sie zu achten und zu bewahren ist die gemeinsame Aufgabe aller, die diese Erde lieben.

Unser Ziel ist es, Menschen jeden Alters die Aufmerksamkeit für die Natur zu vermitteln und ihnen den Respekt vor der Schöpfung nahezubringen.
Neben unseren ständigen Veranstaltungen (Mahnwache Fukushima, Schöpfungsgebet) haben wir verschiedene kreative Methoden entwickelt, die wir auf dieser Seite kurz vorstellen.
Je nach Situation und Zielgruppe variieren und verändern wir diese Methoden auch gerne.

DAS SCHÖPFUNGSGEBET

Wir laden ein zum Schöpfungsgebet zum Erhalt des Bannwaldes nördlich des Nürnberger Flughafens. Wir treffen uns an jedem letzten Samstag eines ungeraden Monats
(Januar, März, Mai, Juli, September, November) um 15 Uhr am Predigtstein an der alten Eiche am Kothbrunngraben, nordwestlich von Buchenbühl.
Die Termine finden Sie in der Rubrik Veranstaltungen auf unserer Homepage.

DIE MAHNWACHE „FUKUSHIMA MAHNT!“

Die Mahnwache steht seit der Reaktorkatastrophe in Fukushima 2. März 2011 jeden Montag am Hallplatz.
Von 15 bis 16 Uhr warnen die Aktiven vor den Gefahren der Nutzung der Atomenergie und setzen sich für einen
sofortigen Ausstieg ein. Thematisiert werden auch der Erhalt unserer Umwelt und des Klimas.
Atomwaffen müssen ebenso geächtet und weltweit verschrottet werden.

 

SCHÖPFUNGSWEGE

Auf einem Schöpfungsweg lässt sich die Natur mit allen Sinnen erleben, sowohl in Bewegung wie auch in der Achtsamkeit.
Mit spielerischen, kreativen und meditativen Methoden soll die Neugier für die Natur angeregt, die Wahrnehmung von
Gestalt, Farben und Formen gefördert und eine Sensibilität für die Ästhetik der Schöpfung geweckt werden. Ziel ist es,
der Natur mit Aufmerksamkeit zu begegnen, um dabei spannende Erfahrungen zu machen und unsere Sinne zu entwickeln

• für die Schönheit der Natur
• für unsere elementare Beziehung zu ihr
• für faszinierende Momente
• für unsere Verantwortung dem Lebendigen gegenüber

AK Schöpfung

BLATTSALAT

Spielerisch wollen wir Kinder mit den verschiedenen Baumarten im Reichswald vertraut machen.
Anhand der Blätter sind diese auch im Kindergartenalter schon gut zu unterscheiden.
Wir treffen uns am Waldrand in Buchenbühl und sind dort etwa zwei Stunden unterwegs.

WALDTAGE

Den Wald kennenlernen und erleben:
Mit kreativen und spielerischen Methoden möchten wir zur Neugier für die Natur anregen.
Dabei geht es uns nicht zuerst um Wissensvermittlung, sondern vor allem um die Förderung der Wissbegier und das Ausprobieren der vielen Möglichkeiten, die der Wald uns anbietet.
Spannende und ungewöhnliche Erfahrungen sind garantiert!
Zwei Stunden sollte eine Gruppe dafür mindestens einplanen – es ist aber auch eine längere Dauer möglich.