Arbeitskreis Schöpfung

Nächste Veranstaltung:

Schöpfungsgebet im Reichswald bei Buchenbühl

Samstag, 28. Januar 2023, 15 Uhr

Prediger: Pfarrer Hans Zeller

Die Aura des Waldes

Ein Film des AK Schöpfung

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Rückblick

Gottesdienst „Egidius, der grüne Heilige“

am 10.9.2022 in St. Egidien

Die Legende vom heiligen Egidius

Vor langer Zeit – wir müssen 1300 Jahre zurückgehen – vor langer Zeit also, lebt im Süden Frankreichs ein frommer Mann. Er hat sich in die Einsamkeit der Wälder zurückgezogen, denn er will ganz in und mit Gottes Schöpfung leben.

Um seine Hütte breiten Bäume schützend ihre Äste aus. Er lebt von den Früchten und Pflanzen des Waldes. Und als er das Zutrauen einer Hirschkuh gewinnt, darf er sie melken und kann sich mit ihrer Milch stärken.

Eines Tages lädt der König zur Jagd im Wald. Ganz selbstverständlich – er ist ja der König – betrachtet er den Wald als seinen Besitz und jetzt versammeln sich seine Adeligen mit Pferden, Hunden und Treibern, sie tragen Speere und sind bewaffnet mit Pfeil und Bogen. Der Wald hallt wider von Geschrei und Gebell und auch ängstliche Rufe der Tiere sind zu vernehmen.

Die Hirschkuh flieht Schutz suchend zum Einsiedler, die Jäger aber sind ihr dicht auf den Fersen. Ägid will sie retten und stellt sich vor das Tier. Allein, da trifft ihn der Pfeil des Jägers – er sinkt verletzt zu Boden.

Als man dem König meldet, dass ein gottesfürchtiger Mann zu Schaden gekommen ist, erschrickt er. Er ist bestürzt, ja empfindet Schuld und Reue.
Um seine Schuld zu sühnen, lässt er an der Stelle der Einsiedelei ein Kloster erbauen, zu dessen Abt Ägidius später wird und dort im Jahr 723 in die Ewigkeit eingeht. Um das Kloster entsteht nach und nach eine Siedlung – der Ort St. Gilles. Gilles, die franz. Form von Ägid.

Ägidius lebte in lang vergangener Zeit, aber gleicht seine Zeit nicht in manchem der unseren? Während die einen mit der Natur gedankenlos, ja aggressiv umgehen, das Leben von Tieren und Pflanzen geringschätzen und Gottes Schöpfung zerstören, versuchen andere, mit unseren Mitgeschöpfen im Einklang zu leben.

Und oft sind wir selbst wohl mal die einen und auch die anderen.

Ansprache zu Psalm 36

1

Heute in Nürnberg eine Schöpfungszeit feiern mit einem alten Heiligen,  der vor über 1300 Jahren in Südfrankreich gelebt haben soll?

Ja, liebe Gemeinde, das geht! Sehr gut sogar.

Heilige, das sind unser aller Ahnen als Christinnen und Christen, unsere Wurzeln, aber auch zeitlose Archetypen und Spiegel für uns heute in unseren Lebensfragen.

Und Egidius, mit seiner Geschichte, ist heute aktueller denn je.

Als ein „grüner Heiliger“, der uns an altes Wissen erinnert, das wir heute zur Lösung unserer ökologischen Krise dringend brauchen können.

2

Mit diesem Waldbewohner und Einsiedler tritt uns eine nahezu schamanische Gestalt entgegen.

Einer der bewusst und entschieden lebt als einer, der getrennte Welten verbindet, auf der Grenze zwischen Natur und Zivilisation und in der Zone zwischen Irdischem und Spirituellem.

Einer, der weiß, dass er aus der Fülle lebt, die Gott ihm schenkt, so wie es im Psalm 36 heißt, den er sicher auch gebetet hat:

Sie werden satt von den reichen Gütern deines Hauses,

und du tränkst sie mit Wonne wie mit einem Strom.

Denn bei dir ist die Quelle des Lebens,

und in deinem Lichte sehen wir das Licht.

Dieses alte Wissen um die lebendige Verbundenheit in aller Natur entdecken wir gerade wieder. Man muss nur in die neueren Bücher zu Ökothemen schauen,wie bei Andreas Weber oder Timothy Morton: Verbundenheit ist da ein Schlüsselwort. Und Hoffnungswort.

Weil die Schöpfung so geschaffen ist. In Verbundenheit.

Dieses Licht geht uns wieder auf!

3

Die nährende Fülle tritt dem Egidius entgegen in Gestalt einer Hirschkuh, von deren Milch er sich nährt und stärkt. Aber zugleich kann man diese Hirschkuh auch als sein Krafttier verstehen, das etwas über den Charakter des Egidius verrät.

Hirsche und Rehe gelten dabei als Herztiere, deren männliche Vertreter als ‚Könige des Waldes‘ für Mut und Stolz stehen, manchmal für Kampfeslust, aber auch für Gelassenheit und Verantwortung; die weiblichen für Fülle und Fruchtbarkeit, kombiniert mit Demut, Sanftheit und Liebe.

In Egidius ist beides von diesen Eigenschaften zu finden:

Seine schützende, fast mütterliche Liebe für das Tier, aber auch sein „männlicher“ Mut, den Jägern entgegenzutreten, und den König selbst zur Rede zu stellen, aber sanft und ohne Gegenaggression.

Ein Modell für gewaltfreien zivilen Ungehorsam der Klimabewegung heute?

Lass mich nicht kommen unter den Fuß der Stolzen,

und die Hand der Frevler vertreibe mich nicht!

So heißt es im Psalm: Demut UND Widerstand.

4

Interessant ist auch die Wunde, die sich Egidius bei seiner Rettungsaktion zuzieht,und die er sein Leben lang behalten wird.

Der ‚wounded healer‘, der verwundete Heiler, ist gleichfalls ein archetypisch-schamanisches Bild, über das auch die Tiefenpsychologie C.G. Jungs viel nachgedacht hat.

Nur wer um seine eigene Verletzlichkeit weiß, ist fähig zur Einfühlung und Empathie, und sieht die Verletzungen und Verletzlichkeiten um sich herum.

Und nur, wer selbst durch die schmerzlichen Tiefen der Gefahr und Verzweiflung gegangen ist, kann daraus die Kraft zur Rettung gewinnen.

Das steckt genau so in unserem Christus, der geschlagene und verwundete, ja, getötete, der nur auf diesem Weg seine erlösende Kraft der Auferstehung gewinnen konnte.

Aber das gilt auch für alle, die durch Klimaangst und Depression und Verzweiflung hindurch gehen, um dann - mit diesem Wissen und dieser Sensibilität ausgestattet – noch einmal anders in Aktion zu gehen.

5

Und so zielt alles auf die Entmachtung der destruktiven Zerstörungskräfte:

Da sind gefallen die Übeltäter,

sind gestürzt und können nicht wieder aufstehen.

Und die neue Kloster-Gemeinschaft, die an dem Ort der Umkehr entsteht, ist eine Gemeinschaft der Gerechtigkeit.

EcoJustice. Für Mensch und Tier.

Im Heilungsraum des Heiligen:

Wie köstlich ist deine Güte, Gott,

dass Menschenkinder Zuflucht haben

unter dem Schatten deiner Flügel!

Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge Gottes 

und dein Recht wie die große Tiefe.

Herr, du hilfst Menschen und Tieren.

 

Ein Segen der Iona-Community in Schottland

 

Es sei die Kraft Gottes

zwischen uns und aller Schwäche.

 

Es sei das Licht Gottes

zwischen uns und aller Finsternis.

 

Es sei das Leben Gottes

zwischen uns und allem Tod.

 

Es sei die Liebe Gottes

zwischen uns und allem Seufzen.

 

Es sei die Ruhe Gottes

zwischen uns und allem Wahnsinn.

 

Gott ist bei uns, gegenwärtig,

heute, morgen und an allen Tagen.

Amen.

Egidius-Legende: Gabriela Grosse

Ansprache und Segen: Pfarrer Thomas Zeitler


Der Wald und die Natur brauchen weiterhin unser Engagement und unsere Gebete und unser Nachdenken darüber, was „Gottes Schöpfung“ eigentlich bedeutet.

Die Schöpfung ist uns anvertraut - sie zu achten und zu bewahren ist die gemeinsame Aufgabe aller, die diese Erde lieben.

Unser Ziel ist es, Menschen jeden Alters die Aufmerksamkeit für die Natur zu vermitteln und ihnen den Respekt vor der Schöpfung nahezubringen.
Neben unseren ständigen Veranstaltungen (Mahnwache Fukushima, Schöpfungsgebet) haben wir verschiedene kreative Methoden entwickelt, die wir auf dieser Seite kurz vorstellen.
Je nach Situation und Zielgruppe variieren und verändern wir diese Methoden auch gerne.

DAS SCHÖPFUNGSGEBET

Wir laden ein zum Schöpfungsgebet zum Erhalt des Bannwaldes nördlich des Nürnberger Flughafens. Wir treffen uns an jedem letzten Samstag eines ungeraden Monats
(Januar, März, Mai, Juli, September, November) um 15 Uhr am Predigtstein an der alten Eiche am Kothbrunngraben, nordwestlich von Buchenbühl.
Die Termine finden Sie in der Rubrik Veranstaltungen auf unserer Homepage.

DIE MAHNWACHE „FUKUSHIMA MAHNT!“

Die Mahnwache steht seit der Reaktorkatastrophe in Fukushima 2. März 2011 jeden Montag am Hallplatz.
Von 15 bis 16 Uhr warnen die Aktiven vor den Gefahren der Nutzung der Atomenergie und setzen sich für einen
sofortigen Ausstieg ein. Thematisiert werden auch der Erhalt unserer Umwelt und des Klimas.
Atomwaffen müssen ebenso geächtet und weltweit verschrottet werden.

SCHÖPFUNGSWEGE

Auf einem Schöpfungsweg lässt sich die Natur mit allen Sinnen erleben, sowohl in Bewegung wie auch in der Achtsamkeit.
Mit spielerischen, kreativen und meditativen Methoden soll die Neugier für die Natur angeregt, die Wahrnehmung von
Gestalt, Farben und Formen gefördert und eine Sensibilität für die Ästhetik der Schöpfung geweckt werden. Ziel ist es,
der Natur mit Aufmerksamkeit zu begegnen, um dabei spannende Erfahrungen zu machen und unsere Sinne zu entwickeln

• für die Schönheit der Natur
• für unsere elementare Beziehung zu ihr
• für faszinierende Momente
• für unsere Verantwortung dem Lebendigen gegenüber

AK Schöpfung

BLATTSALAT

Spielerisch wollen wir Kinder mit den verschiedenen Baumarten im Reichswald vertraut machen.
Anhand der Blätter sind diese auch im Kindergartenalter schon gut zu unterscheiden.
Wir treffen uns am Waldrand in Buchenbühl und sind dort etwa zwei Stunden unterwegs.

WALDTAGE

Den Wald kennenlernen und erleben:
Mit kreativen und spielerischen Methoden möchten wir zur Neugier für die Natur anregen.
Dabei geht es uns nicht zuerst um Wissensvermittlung, sondern vor allem um die Förderung der Wissbegier und das Ausprobieren der vielen Möglichkeiten, die der Wald uns anbietet.
Spannende und ungewöhnliche Erfahrungen sind garantiert!
Zwei Stunden sollte eine Gruppe dafür mindestens einplanen – es ist aber auch eine längere Dauer möglich.