Arbeitskreis Palästina

Tag des Bodens

 
Am 30. März, dem Tag des Gedenkens an die Tötung von 6 Palästinensern im Jahr 1976, die sich der Enteignung ihres Landes entgegengestellt hatten, hielt der AK Palästina einen Gottesdienst in der Jakobskirche. So wollten wir in diesem Jahr unsere Anteilnahme am Leid der Menschen in Palästina und unsere Zweifel vor Gott bringen. Die Kollekte kommt dem Kultur- und Begegnungszentrum Diyar in Bethlehem zugute, das der lutherische Pfarrer Mitri Raheb 1995 eröffnete.

 

Protest gegen Verdrängung von Palästinensern aus Sheikh Jarrah, Ost-Jerusalem 

Der AK Palästina schloss sich einem Protestschreiben des Koordinationskreises Israel/Palästina an gegen den drohenden Abriss von Wohnungen im Stadtviertel Sheikh Jarrah. Die von palästinensischen Flüchtlingen auf Initiative der UNO und mit Genehmigung der jordanischen Regierung 1956 errichteten Häuser, sollen den ehemaligen jüdischen Besitzern zurückgegeben werden, die 1948 Ost-Jerusalem verlassen hatten. Dies ist Teil einer fortschreitenden Verdrängung der palästinensischen Bevölkerung aus den von Israel besetzten Gebieten. Das an die Bundesregierung sowie an den Außenbeauftragten der EU gerichtete Schreiben kann auf der Homepage von KoPI nachgelesen werden: https://www.kopi-online.de/wordpress/
 
 

Abschied von Pfarrer i.R. Dieter Helbig

Der Arbeitskreis Palästina trauert um sein langjähriges Mitglied Dieter Helbig. Er starb am 23. August 2020. Die Trauerfeier zu seinem Gedenken fand am 24. September 2020 in der St. Rochus-Kirche in Zirndorf statt, zu deren Gemeinde er seit seinem Ruhestand gehörte.

Dieter Helbig war ein echter Franke. Geboren am 15. September 1935 in Bayreuth, studierte er zunächst Germanistik an der LMU München. Dort lernte er seine Frau Gisela, geb. Heinze, kennen. Ihre erste Wohnung hatten beide in Nürnberg, nachdem er sich für das Studium der Theologie in Erlangen entschieden hatte.

Nach dem Vikariat in Spiegelau im Bayerischen Wald und der Ordination in Passau bekam er seine erste Pfarrstelle 1966 in Nördlingen. Pfarrer, die sich für soziale Gerechtigkeit und einen gerechten Frieden in der Welt politisch einsetzen, haben es in ihren Gemeinden nicht immer leicht. Dieter Helbig war im positiven Sinn ein streitbarer Geist, der seine Meinung zum politischen Geschehen als Pfarrer nicht zurückhielt.

Im Jahr 1971 zog die Familie nach München, wo er an der Emmauskirche eine Pfarrstelle übernahm. Gisela Helbig hatte sich schon lange für die Bewegung „Frauen für Südafrika“ gegen das dortige Apartheidregime engagiert. Da wundert es nicht, dass beide nach Tansania gingen, um dort für sechs Jahre bei den Massai im Dienst der „Mission EineWelt Neuendettelsau“ zu arbeiten.

Nach der Rückkehr übernahm Dieter Helbig bis zu seinem Ruhestand verschiedene Pfarrstellen, u.a. in Schonungen/ Unterfranken. Als kritischer Atomkraftgegner führte er in seinem Engagement für den Frieden in der Welt und die Bewahrung der Schöpfung schon bald Andachten vor dem AKW Grafenrheinfeld durch.

Ebenso folgerichtig war dann auch sein Engagement für die „Solidarität International“ (SI) und auch für „Pax Christi“. Dieter Helbig hat sich intensiv mit der Rolle der Kirche in der NS-Zeit auseinandergesetzt und dann auch die Haltung seiner Landeskirche zu den aktuellen Problemen der Zeit, z. B. zu dem Konflikt Israel- Palästina hinterfragt. So kam er schon früh zum NEFF und dadurch zum AK Palästina.

„Ich kann es nachvollziehen, wenn Palästinenser, denen man mit Gewalt ihr Land und ihre Häuser nimmt, gewalttätig werden“, schrieb er im Bayerischen Pfarrerblatt und zog sich damit einen wahren „Shitstorm“ seiner evangelischen Pfarrerkollegen zu.

Ja, Dieter Helbig hat es sich und manchen Mitmenschen nicht immer leicht gemacht, aber nicht deshalb, weil er sich wichtigmachen wollte, sondern aus seinem tiefen christlichen Glauben heraus. Seit seinem Eintritt in den Ruhestand hat er sich mit seiner Ehefrau für die Flüchtlingsarbeit im Asylkreis St. Rochus in Zirndorf engagiert. Dort initiierte er interreligiöse Segnungsgottesdienste in der Kapelle der ZAE (heute Ankerzentrum).

Dieter und Gisela Helbig waren seit Beginn im AK Palästina im NEFF voll engagiert. Wir sind traurig, dass er nicht mehr bei uns ist. Mit ihm fehlt uns auch manches Mal seine kritische Stimme. So wird er uns auch weiterhin im Gedächtnis und Herzen bleiben.

Nürnberg/ Zirndorf, im September 2020

Reinhard Eisenberg

 


Abschied von Pfarrer i.R. Dieter Helbig