Arbeitskreis Schöpfung

75 mal Schöpfungsgebet

das bedeutet mehr als sechs Jahre lang alle zwei Monate eine Andacht im Reichswald bei Buchenbühl. Die geplante Nordanbindung von der A 3 zum Flughafen steht – gottseidank-  nicht mehr auf der politischen Agenda. Die Wald- und Naturzerstörung hier bei uns und anderswo ist deshalb aber noch lange nicht beendet. Das machte Rita Mayer beim 75. Schöpfungsgebet am 28. November in ihrer Ansprache deutlich. Musikalisch begleitet wurde der Gottesdienst diesmal von Daniel MacFarlane mit der Gitarre.   

Der Wald und die Natur brauchen weiterhin unser Engagement und unsere Gebete und unser Nachdenken darüber, was „Gottes Schöpfung“ eigentlich bedeutet.

 


Nächstes Schöpfungsgebet: 29.Mai 2021
Schöpfungsgebet am 27.3.2021

 

Ansprache:

 

Ein weiteres Mal können uns die beiden Bibelworte der heutigen Tageslosung eine Hilfe zum Nachdenken sein:

 

Aus dem AT: „Wenn du nun gegessen hast und satt bist und schöne Häuser baust und darin wohnst, dann hüte dich, dass dein Herz sich nicht überhebt und du den Herrn, deinen Gott, vergisst.“ (5. Mose 8,12-14)

 

Und im NT: „Seid dankbar in allen Dingen, denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch.“ (1. Thess. 5,18)

 

Liebe Schöpfungsfreunde!

 

Um Dankbarkeit also geht es. Nicht um eine formale Dankbarkeit, so wie man öfter ein Kind ermahnt: Du musst schön Danke sagen, wenn du etwas geschenkt bekommst!“ (Obwohl uns das auch als Großeltern schon freut, wenn unsere Enkel sich manchmal bedanken.) Nein, hier geht es um ein tieferes Dankbarsein. Dass wir wissen, wo alles herkommt: Was wir essen und wovon wir satt werden, die Häuser, in denen wir leben. Dass es letztlich von Gott, dem Herrn der Welt, und nicht von uns selbst kommt. Ein tieferes Dankbarkeits-Bewusstsein in allen Dingen, so ist es Gottes Wille. Das Danken ist also ganz fundamental. Der Thessalonicherbrief erwähnt es sehr betont am Ende mit seinen Grüßen an die christliche Gemeinde.

 

Ich denke, die Dankbarkeit hat viel mit dem Glauben an den Schöpfergott zu tun – und umgekehrt: Der Glaube an Gott als den Schöpfer hat viel mit der Dankbarkeit zu tun.

 

Da können wir für so vieles dankbar sein. Das Lied gerade hat es beispielhaft aufgezählt: „Die Erde soll jubeln, die Ströme, die Berge, die Erde soll jubeln unserem Gott.“ Wahrscheinlich sehen wir auch jetzt im Frühling wieder Dinge, über die wir staunen, uns freuen und für die viele Menschen dankbar sind: Die bunten Blumen an Häusern und in Gärten, hier im Wald die erwachende Natur. Große Dankbarkeit.

 

Auf der anderen Seite sehen wir oft in der Restnatur, dass Dankbarkeit von uns Menschen offenbar keine Rolle spielt oder einfach vergessen wird. Ich finde es zum Beispiel peinlich, wenn in Zeitungsfotos Männer mit Schlips und Kragen – Frauen sind’s weniger – auf einem neuen Baugrundstück dastehen und stolz den ersten Spatenstich zelebrieren. Dass meist wieder ein Stück Natur verloren geht, wird leicht vergessen. Organisierte Undankbarkeit könnte man das nennen (Tesla …).

 

Nicht immer war es so: Früher errichtete man z.B. beim Feldbau, wenn Menschen die Natur veränderten, oft Feldkreuze, Wegkreuze, Bildstöcke. Sie bedeuteten den Respekt vor dem Schöpfergott und eben, neben der Bitte um Schutz und Gedeihen, auch Dankbarkeit, das Wissen, wem das Land zu verdanken ist. Ähnlich kennen wir diesen geistlichen Respekt von den indianischen Ureinwohnern Amerikas gegenüber den Bodenspekulanten damals. In Städten und Dörfern bauten Menschen bei uns einst schöne Kirchen und Kapellen, um Gott zu danken.

 

Das ganze Leben soll Dank umfassen, wie die Bibel sagt. Immer bestand schon die Gefahr, dass sich Menschen selbst überheben und Gott als den Herrn vergessen. Das ist nichts, muss man klar sagen,für die „freiheitliche Seele“, für das oft selbstherrliche Missverständnis von uns Menschen. Ge-dank-enlosigkeit statt Dank. Wenn wir die Welt ansehen, sehen wir viel von dieser Ge-dank-enlosigkeit.

 

Gibt es Dankbarkeit auch jetzt in Pandemie-Zeiten? Wo so viele Menschen ängstlich, verzweifelt, krank sind, in existentiellen und sozialen Nöten stecken, sterben? Ja, ich bin dankbar, dass ich (bisher) nicht von der Krankheit betroffen bin, ich selbst nicht, meine Familie nicht. Dass wir am Leben sind. Dass wir zu essen und zu wohnen haben. Dass es Impfungen gibt (trotz der Probleme) und dabei hoffentlich bald Entspannung kommt. Ja, dafür bin ich dankbar, auch und gerade gegenüber Gott.

 

Aber ich denke, die Dankbarkeit müsste auch tiefer gehen: Wir hatten viel Zeit und Gelegenheit, zum Umdenken, zur Umkehr. Es wurde und wird viel über Zahlen gesprochen: Infektions-, Reproduktions-Todeszahlen, aber kaum darüber, woher die Pandemie eigentlich kam und warum wahrscheinlich weitere Pandemien auf uns zukommen werden. Wir wissen es ziemlich genau oder ahnen es: Es hängt mit unserem Lebensstil, dem „Tanz auf dem Vulkan“ zusammen, mit allem, was auch die Klimakatastrophe herbeiführt: Alles um die Bereiche Mobilität, Konsum, Überfluss, Wachstum usw.

 

Wir hätten die langen Zeiten der Lockdowns zum Nachdenken über die eigentlichen Ursachen nutzen und uns in manchen Einschränkungen in ein besseres Verhalten einüben sollen. Man kann auch sagen: Wieder Dankbarkeit und Demut lernen. Dankbarkeit hat auch viel mit Ehrlichkeit zu tun. Stattdessen werden wieder die alten, die angeblich „normalen“ Zeiten herbeigesehnt und auch, wie wir sehen, schon kräftig wieder in die Wege geleitet.

 

Nein, Gott sei Dank gibt es jetzt auch verstärkt, die Gesellschaftsbeobachter sagen es, Bewegungen, neue Nachdenklichkeiten, Strömungen, Modelle, die sagen: Wir müssen klüger werden als die bisherigen Verhaltensmuster. Die Pandemiezeit muss uns neue Anstöße geben, damit das Leben weitergeht und die vielen Kranken und Toten nicht umsonst waren. Schön, dass es z.B. trotz Lockdown mit den „Fridays for future“ weitergeht – und was dazu entstanden ist: „Families for future“, Scientists, auch Church for future. Schön ist es, dass in Kommunen und Landkreisen und auch in unserer Landeskirche das Projekt Integriertes Klimaschutzkonzept durchgeführt wird.

 

Für alle Neuanfänge können wir dankbar sein und um Gottes Segen bitten. (Tageslosungen) Amen.

Pfr. i.R. Christian Schümann, Fürth

 

Umweltbeauftragter im Kirchenkreis Nürnberg

 

 


 

Schöpfungsgebet am 26.9.2020

9,5 Grad Celsius, kräftiger Regen und nasser Untergrund – die denkbar schlechtesten Voraussetzungen waren das für das Schöpfungsgebet am 26. September im Reichswald bei Buchenbühl. Unsere Besucher*innen ließen sich davon aber nicht entmutigen. Sie kamen so zahlreich wie immer, und erlebten mit Ferdinand Roscher einen Mann am Kontrabass, der mit seinen schwungvollen Darbietungen die Stimmung deutlich ins Positive wendete. Danke, Ferdinand!
Pfarrerin Gisela Voltz von Mission EineWelt rief in ihrer Predigt dazu auf, sich nicht lähmen zu lassen. So wie Jesus einen gelähmten Menschen heilte, gibt es auch bei uns immer wieder Beispiele, wie sich Menschen miteinander aufrichten und für die Schöpfung eintreten.
Ein ungewöhnliches Schöpfungsgebet – und eine spontane Kollekte für das Künstlerprojekt des NEFF, bei dem wir immer wieder freischaffenden Künstlern Auftrittsmöglichkeiten anbieten und ihnen dafür ein Honorar zahlen, erbrachte 90 Euro, über die wir uns sehr gefreut haben.

 Wir bleiben dran – sowohl an unserem Künstlerprojekt wie auch am Thema Schöpfung!

 


 

 Mit Harfe und Egidienchor für den Reichswald

 

Hier können Sie das gesamte Friedensgebet im Livestream sehen:  Film

Am 25. Juli traf sich eine Gruppe von fast 50 Besucher*innen am Predigtstein im Reichswald bei Buchenbühl. Diakon Paul Schremser und das NEFF hatten eine Gruppe von Sänger*innen des Egidienchores und die Harfenistin Maja Taube zur Mitwirkung beim 73. Schöpfungsgebet eingeladen.

Und so erklangen die sanften und stimmungsvollen Töne der Harfe unter der großen Eiche beim Kothbrunnengraben, und mit den Versen von Paul Gerhardt wurde vom Chor das Lob der Schöpfung angestimmt, bei dem des „großen Gottes großes Tun“ uns alle Sinne erweckt.

Diakon Schremser schilderte, in Anlehnung an die Seligpreisungen, die Glückseligkeit des Naturerlebnisses – er folgerte daraus aber auch die Notwendigkeit, in der politischen Lobbyarbeit für Wald und Natur nicht nachzulassen.

Das NEFF wird auch bei den nächsten Veranstaltungen Künstler*innen einladen, die aufgrund der Pandemie als Solo-Selbständige in ihren Auftrittsmöglichkeiten eingeschränkt sind, und ihnen dafür ein Honorar zukommen lassen. Wer uns dabei unterstützen möchte:

IBAN DE53 5206 0410 0103 5710 92, Zweck: Spende Kulturprojekt


Die Schöpfung ist uns anvertraut - sie zu achten und zu bewahren ist die gemeinsame Aufgabe aller, die diese Erde lieben.